Einem Leichtathleten ist nichts zu schwer

Moin leev Sportlers,
Erfahrungsberichte sollen den Ausflug in fremde Sportwelten aufzeigen. Dass es für uns Leichtathleten, wozu das Laufen gehört, reizvoll und sportlich anregend sein kann, auch mal Artfremdes auszuprobieren. Hier ist es ein Triathlon.

Vorweg der Hinweis, dass der Triathlon und die Leichtathletik strikt voneinander getrennt sind. Der Multiwettkampf mit seiner eigenen Geschichte hat eigene Veranstaltungen und ein eigenes Regelwerk. Es kommt zwar vor, dass der eine oder andere Sportler bei der Gegenseite startet, das ist jedoch nicht die Regel. Eine erfolgreiche Ausnahme lebt in unserer Nachbarschaft: Mit Udo van Stevendaal, einem erfolgreichen Triathleten UND Leichtathleten, der für den SV Großhansdorf trainiert, wurde ein Triathlet gleich zwei Mal vom Kreisleichtathletikverband Stormarn als Sportler des Jahres geehrt: 2015 und 2017.

Mein Bericht:
„Wenn ich nicht an unserem Geburtstagswochenende Mitte Juni eine App von einem Sportkollegen erhalten hätte, in der er aus Krankheitsgründen für seinen Bruder einen Startplatz für die Sprintdistanz beim diesjährigen „Hamburg Wasser World Triathlon“ anbot, hätte ich nie mitgemacht. Mein letzter Start bei einem Triathlon liegt 12 Jahre zurück und ist verbunden mit schlechten Erinnerungen an die Schwimmdistanz, in der es für mich eher ums Überleben ging.
Das war in Ratzeburg, geschwommen wurde im Küchensee. Bei der Sprintdistanz in Hamburg müssen 500 m durch die Binnenalster geschwommen werden, dann 20 km über Landungsbrücken und St. Pauli Rad gefahren, und anschließend 5 km an der linken Außenalsterseite herum gelaufen.

Nachdem ich erfolglos den Startplatz Ingo, einem Laufkollegen aus der Laufgruppe, anbot, der aber selber dort starten wollte, besann ich mich und sagte kurzentschlossen zu. So machte ich mir diesen sportlichen Wettkampf selbst zum Geschenk. Und nebenbei startete ich das erste Mal dort. Das Ummelden ging rasch über die Bühne und meine Umwelt reagierte positiv auf meine Idee, die nächsten drei Wochen für etwas Besonderes aufzusparen. Mir wurde sogar von
einem Geschäftskollegen dessen Neoprenanzug überlassen. Er passt; stramm, aber er sitzt.

So startete ich tags darauf mit meiner Hassdisziplin: Dem Schwimmen. Die Badehose, die ich sonst nur für das Sportabzeichen aus dem Schrank holte, wurde ab jetzt kaum noch trocken. Hin zum Freibad und hinein. Nach fünf Metern konnte ich nicht mehr Kraulschwimmen, nach einer Bahn (50 Meter) musste ich eine mehrminütige Erholungspause einlegen. Nach weiteren Pausen traf ich im Wasser Dirk, einem weiteren Laufkollegen aus der Laufgruppe, der dort mit einem Sportpartner für den Triathlon in Hamburg trainierte!

Sie waren mit ihrem Trainingspensum einige Wochen im Voraus und beruhigten mich entsprechend. Fast täglich wurde ich jetzt im Freibad gesichtet. In vielen Gesprächen und in der Literatur klärte ich offene Fragen zu diesem Sport.

Um den Neopren in der realen Welt auszuprobieren, fuhren meine Beste und ich an die Ostsee. Der dortige Wellengang machte ein Üben für mich Ungeübten zwar äußerst schwierig, so dass schon nach wenigen Minuten mein Durst mit Ostseewasser gelöscht war und ich wieder ans Ufer wollte, aber der Neopren ließ mich auf dem Wasser gleiten wie ein Riegel auf Milch.

In der zweiten Woche hängte ich das Rennrad von der Wand ab, beäugte es kritisch und radelte los. Wieder zurück ging es direkt in die Fahrradwerkstatt und mit einem Ersatzfahrrad wurde weiter trainiert. Ab dem Ende dieser Woche übte ich das Koppeltraining, also den Wechsel von einer Disziplin zur nächsten. Zunächst Schwimmen und Radfahren, dann Radfahren und Laufen. Die Hitze machte derweil schlapp. Die Temperaturen gingen zügig zurück. Es wurde wieder „nordischer“. Ich hatte anfangs gefrotzelt, dass nur bei schlechtem Wetter ich gute Chancen hätte, da dann alle nicht so schnell seien. Wurde es jetzt wahr? Die Frage blieb: Neopren oder nicht? Ich entschloss mich kurz vor dem Start doch dagegen und sprang am Veranstaltungstag als einer der wenigen Amateure ohne Gummihaut ins dunkelgrüne Nass.

Endlich, am 6.Juli morgens bei frischen 15° fuhr ich bestens ausgerüstet mit Helm und frisch repariertem Rennrad mit der U-Bahn zum Jungfernstieg. Auf ins Abenteuer. Das Event war toll und aufwändig organisiert. Über 10.000 Sportler sollten an diesem Wochenende unterwegs sein. Fast gegenüber meinem Startplatz traf ich auch Ingo aus der Laufgruppe, der nur 20 Minuten vor mir startete. Die Welt ist halt ein Dorf. Mein Rennrad aufgehängt, Handtuch, Höschen und Trikot drapiert, noch mit den direkten Sportnachbarn gequatscht und ab zum Startplatz, bzw. „Springplatz“, weil wir dort ins Wasser gingen. Die Alster war 3 Grad wärmer als die Luft. Die Situation war angenehmer als ich es in Erinnerung hatte.

Der Wettbewerb begann. Während des Schwimmens war ich so im Element, dass ich etwas vom Kurs abkam und eine kleine Sightseeingtour durch die Alster machte. Aber auch ich kam endlich am Ausstieg an, und weiter ging es zum Fahrradfahren. Helm auf, rauf aufs Rad und vor lauter Enthusiasmus erst einmal in die Absperrung fallen. Beim zweiten Anlauf klappte es besser. Bei der Laufdisziplin dagegen lief alles wunderbar. Hier war ich in meinem Element, fand schnell meinen Rhythmus und „sammelte“ vor mir gestartete Läufer fröhlich ein. Nach 1:33:22 Stunden war ich im Ziel. Endlich. Erschöpft und doch auch begeistert. Andere Triathleten genossen jetzt eine Zigarette, ich blieb bei Butterkuchen, Obst und alkoholfreiem Bier. Das letztere auch nur wegen der Elektrolyte.

Ein schönes müde machendes facettenreiches Abenteuer. Kein Event für jeden Sonntag. Dafür ist es zu kraft- und zeitraubend. Aber eine tolle sportliche Bereicherung und ein schönes Geburtstagsgeschenk an mich.“

Mit sportlichem Gruß
Ralph Otto
(Übungsleiter der Laufgruppe im Hoisbütteler SV)

Mehr Infos zur Lausgruppe erhälst Du hier.

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